Inhalt:
Weniger Schmerzen mittels neuartiger örtlicher Betäubung bei Kniegelenksersatz-Operationen
 OA Dr. Ilse Köfler |
Immer mehr PatientInnen erhalten heutzutage einen Gelenksersatz durch eine sogenannte Endoprothese. Die Gründe für die Notwendigkeit eines künstlichen Knieersatzes können unterschiedlich sein: Bei zunehmender durchschnittlicher Lebensdauer und dementsprechender Belastung der großen Gelenke, Sportunfällen oder Abnützungserscheinungen durch den Beruf kann diese Endoprothese oftmals den letzten Ausweg bedeuten. Im LKH Bad Ischl geht die Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin verschiedene Wege, um die Schmerzbelastung vor allem nach der Operation so gering wie möglich zu halten.
|
|
Der Kniegelenksersatz ist eine größere Operation, die manchmal starke Schmerzen nach dem chirurgischen Eingriff hervorruft. Mittels Regionalanästhesie wird im LKH Bad Ischl das Schmerzempfinden jener Körperregion, in der die Operation durchgeführt werden soll, sozusagen ‚ausgeschaltet’. „Der Patient bekommt zuerst eine Verweilkanüle in eine Vene gelegt und die Herztätigkeit, der Blutdruck und die Sauerstoffsättigung des Blutes werden überwacht. Die Schmerzempfindung in dem zu operierenden Körperteil wird mit einem betäubenden Medikament (Lokalanästhetikum), das in die unmittelbare Nähe der schmerzleitenden Nerven gespritzt wird, ausgeschaltet. Regionalanästhesien sind risikoarme und effiziente Verfahren zur Schmerzausschaltung während und auch nach der Operation“, so Dr. Ilse Köfler, Fachärztin für Anästhesie und Intensivmedizin am Landes-Krankenhaus Bad Ischl. Je nach Wunsch des Patienten und medizinischer Möglichkeit, bietet die Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin drei verschiedene Anästhesieverfahren:
|
|
Die Vollnarkose wird in Verbindung mit einem in der Leiste angelegten sogenannten „3 in 1-Block“ mit Kathetertechnik durchgeführt. Der „3 in 1-Block“ bedeutet, dass drei Nerven von einem Punkt aus gleichzeitig betäubt werden. Bei den rückenmarksnahen Regionalanästhesien, auch Spinalanästhesie genannt, werden die schmerzleitenden Nerven in unmittelbare Nähe ihrer Eintrittsstelle ins Rückenmark durch Injektion eines Lokalanästhetikums betäubt, zusätzlich wird wiederum mit der „3 in 1-Block“-Methode gearbeitet. Des weiteren gibt es seit heuer im LKH Bad Ischl auch eine kombinierte Methode, die sogenannte Spinal-Epidural-Anästhesie. Auch hier wird für die Schmerztherapie nach der Operation ein Katheter eingeführt, nur diesmal in Lendenwirbelsäulenbereich. Alle Verfahren haben auch für die Schmerztherapie nach der Operation eine hohe Bedeutung. Die verwendeten Katheter können rund zwei bis vier Tage belassen werden, ein ständiges Liegen im Bett ist dabei nicht notwendig. Einen wesentlichen Vorteil stellt die Verabreichung von Lokalanästhetika dar, denn damit können die zu erwartenden Schmerzen, die üblicherweise nach einer Operation auftreten, gut bekämpft werden. |
 Setzen eines "3 in 1 Blocks" |
Die Anbringung der Katheter, die beim 3 in 1-Block in der Leiste und bei der kombinierten Spinal-Epidural-Anästhesie im Lendenwirbelsäulenbereich platziert werden, erfolgt vor der Operation in wachem Zustand. „Der Patient spürt aber gar nichts, denn die Stelle wird vorher lokal betäubt“, beruhigt Dr. Köfler. Die Katheter bestehen aus Kunststoff und werden mit Pflastern fixiert. „Positiv für den Betroffenen ist, dass sie den Bewegungsradius des Kranken überhaupt nicht stören“, so Dr. Köfler.
Über den Katheter wird je nach Bedarf das lokale Betäubungsmittel verabreicht. So kann sowohl während der Operation bei der Variante in Kombination mit Vollnarkose systemisches Schmerzmittel eingespart werden, das oft nach der Operation Müdigkeit und Übelkeit verursachen würde – als auch postoperativ über kontinuierliche Medikamentenverabreichung eine frühzeitige schmerzarme bis schmerzfreie Wiederherstellung der Bewegungsmöglichkeit erfolgen. „Wer sich nach einer Operation rasch wieder bewegen kann, fühlt sich einerseits meistens wohler und wird rascher seine volle Beweglichkeit wieder erlangen“, berichtet Dr. Köfler.
Vor allem PatientInnen mit einer Vergleichsmöglichkeit (Operation des zweiten Knies) sind von den Effekten der regionalanästhesiologischen Versorgung überzeugt – so auch eine ehemalige Patientin des LKH Bad Ischls, die begeistert vergleicht: „ Der Unterschied ist Hundert zu eins – nach der ersten Knieprothese vor einigen Jahren hatte ich wirklich Schmerzen, aber diesmal tut überhaupt nichts weh und ich bin schnell wieder fit geworden!“
Vor allem die Versorgung mittels der „3 in 1-Block“-Methode zeigt bei verschwindend geringer Komplikationsrate maximalen Effekt. Zudem wird diese Variante gerne von den PatientInnen akzeptiert. „Der Kniegelenksersatz hat somit einiges von seinem Schrecken verloren, mit adäquater regionalanästhesiologischer Versorgung müssen Schmerzen nach der Operation somit nicht mehr ertragen werden“, macht Expertin Dr. Köfler Hoffnung.